STARTSEITE » MEDIEN » IV-News » Standort stärken und kooperieren anstatt neue Steuern zu erfinden!

 
10.01.2012

Standort stärken und kooperieren anstatt neue Steuern zu erfinden!

IV-Burgenland-Präsident Manfred Gerger hielt anlässlich des Neujahrsempfangs der IV-Burgenland eine vielbeachtete Rede.

Im Namen der Industriellenvereinigung möchte ich Sie heute Abend sehr herzlich zu unserem diesjährigen Neujahrsempfang des Jahres 2012 begrüßen. Es freut mich persönlich sehr, dass so viele „Industrie-interessierte" Gäste unserer Einladung gefolgt sind, um in diesen schönen Räumlichkeiten der Gloriette ein paar nette Stunden zu verbringen.

 

Die Gloriette diente bereits Ende der 70er Jahre als Treffpunkt der Bürger von Eisenstadt, um sich auszutauschen. Diesem Gedanken folgend, ist es sicher nicht nur die angenehme Umgebung, sondern vielmehr die Möglichkeit des „Netzwerkens", die uns gerade hier zusammenführt und uns die Möglichkeit für hoffentlich spannende Diskussionen, verbunden mit einem gemütlichen Beisammensein, bietet.

 

Nun hat die IV-Burgenland seit Ende des vergangenen Jahres einen neuen Präsidenten und ein neu zusammengestelltes Team. Die IV Burgenland wird deshalb weder die Welt verändern, noch werden wir in kürzester Zeit bahnbrechende Veränderungen herbeiführen. Das ist auch definitiv nicht unser Ziel. Wir werden gemeinsam die hervorragende Arbeit unserer Vorgänger weiterführen.

Die sich ständig ändernden Umstände erfordern aber auch Flexibilität und Umdenken in einigen Bereichen. Es ist für mich persönlich und auch für das gesamte Team eine herausfordernde Aufgabe, die Bedeutung des Industriestandortes Burgenland weiter auszubauen.  

 

Die meisten von uns sind täglich damit beschäftigt, unsere Unternehmen nach bestem Wissen und Gewissen zu leiten. Wir festigen unsere Kernkompetenzen und versuchen stetig, die Unternehmensorganisation und Prozesse zielgerichtet voranzutreiben. Unser Job ist es aber auch, unseren Mitarbeitern einen langfristig sicheren Arbeitsplatz zu bieten, an dem sie Spaß haben und der sie fordert. Die Mitarbeiter sind unser Potential. Die Weiterführung einer konsequenten Standortpolitik ist daher unsere wichtigste Aufgabe.

 

Industrie - Motor der heimischen Wirtschaft

 

Im Jahr 2011 war es vor allem die Industrie, die für positive Impulse am heimischen Arbeitsmarkt gesorgt hat. Wir stellen damit den Motor der heimischen Wirtschaft dar.

Im internationalen Vergleich gilt Österreich mit einer saisonalbereinigten Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent weiterhin als arbeitsmarktpolitisches Musterland.

 

Ungeachtet dessen haben wir natürlich die Sorge der drohenden Kreditklemme in der Eurozone.  Die Last der ungelösten Schuldenproblematik mehrerer Euroländer spüren wir alle.

Dennoch: Wir befürchten keine Rezession.

Sehr schwierig wird es für jene Unternehmen werden, die sich in Ihren Wirtschaftsbeziehungen auf Europa beschränkt haben. Diese werden in den nächsten Monaten nicht wachsen, sondern maximal stagnieren.

Erfreulicherweise sind im Burgenland viele Unternehmen angesiedelt, die sich am Weltmarkt erfolgreich etabliert haben. Diese Unternehmen werden vom dortigen Wachstum partizipieren können.

 

Der wichtigste Faktor für den Erfolg eines Unternehmens sind qualifizierte Mitarbeiter, die ihren Job gerne machen und dafür auch adäquat bezahlt werden. Stetige Weiterentwicklung und Loyalität zum Unternehmen sichern uns den Erhalt unserer Mitarbeiter.

 

Hier setzt die IV Burgenland mit viel persönlichem, unternehmerischen und finanziellen Aufwand an. Schlussendlich in eigener Sache....  Aus- und Weiterbildung, Innovation, Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz und alternative Energien.

 

1) Unternehmenserfolg durch qualifizierte Mitarbeiter

  

a) Lehrgang Optoelektronik und Photovoltaik

Bereits vor über zwei Jahren hat die Landesgruppe auf den massiven Bedarf der Mitgliedsunternehmen reagiert und eine universitäre Ausbildung für Optoelektronik und Photovoltaik ins Leben gerufen. Heute laufen bereits der zweite Durchgang des Universitätslehrganges und der erste Masterlehrgang in Fürstenfeld.

 

Bestätigt durch diesen Erfolg, werden wir heuer das universitäre Themenfeld erweitern. Verstärkt sollen die Bereiche Energieeffizienz, Energietechniken, Ressourcenmanagement und alternative Energiemöglichkeiten gelehrt und weiterentwickelt werden.

Die Industrie erhofft sich dadurch hochqualifizierte Mitarbeiter, die ihre berufliche Herausforderung nicht in den Großstädten oder im Ausland suchen, sondern in den heimischen, innovativen Unternehmen.

 

b) Werkmeister für Mechatronik

In Zusammenarbeit mit dem BFI in Großpetersdorf führen wir schon seit Jahren berufsbegleitende Weiterbildungsveranstaltungen durch. Unsere Mitarbeiter haben so die Chance, sowohl wissensmäßig als auch beruflich sich weiter zu entwickeln.

 

c) innerbetriebliche Lehrwerkstätten

Die Nikitscher Metallwaren GmbH in Pinkafeld startete bereits im Herbst des Vorjahres die innerbetriebliche Lehrwerkstätte für Mechatroniker.

13 junge Menschen, darunter 5 Mädchen, absolvieren hier eine Lehre zum Mechatroniker. Das Besondere: die Jugendlichen waren alle arbeitslos. Deshalb erarbeiteten wir gemeinsam mit dem WIFI und dem AMS Oberwart erfolgreich ein Konzept, welches diese Jugendlichen im Vorfeld fit für die Lehre gemacht haben. 

 

d) Lehre mit Matura

In nahezu allen burgenländischen Industriebetrieben wird den Lehrlingen die Möglichkeit geboten, Lehre mit Matura zu machen.

 

e) Sprachausbildung Techniker

Die Erfahrung in den Unternehmen zeigt, dass Schulabgängern mit technischem Hintergrund - egal welchen Schulabschluss diese mitbringen - häufig fremdsprachliche Barrieren haben. Englisch ist auch für einen „Techniker" in der heutigen Zeit unabdingbar. Die Industrie wird auch in diesem Bereich die Kontakte zu Bildungseinrichtungen nutzen sowie innerbetriebliche Fördermaßnahmen durchführen, um diese Wissenslücke so weit wie möglich zu schließen. Wir fordern auch in diesem Bereich Anpassungen des Schulsystems an die Bedarfe in der Berufswelt.

 

f) Technikboxen

Aber Spaß an der Technik weckt man am besten schon bei den Kindern. Und so haben unsere Mitgliedsunternehmen in den letzten Jahren mehr als 100 Technikboxen im Wert von über 50.000 Euro an heimische Volksschulen verteilt. Wie erfolgreich mit diesen Boxen in den Schulen gearbeitet wird, können uns die Schüler dieses Jahr in einem Wettbewerb beweisen.

 

g) Förderung von Unternehmenspraktika für Schüler

Bedingt durch unser theoretisch ausgerichtetes Schulsystem, werden die Praktika der Schüler in Unternehmen immer wichtiger für den zukünftigen beruflichen Weg der Schüler.

Unser Ziel ist es, dass mehr Unternehmen animiert werden können, Praktika anzubieten. Dies kann nicht ausschließlich durch die Unternehmen finanziert werden. Wir erwarten auch hier eine Co-Finanzierung durch das Land, in enger Zusammenarbeit mit den Schulen.

 

h) Optimierung Berufsorientierung

Die Möglichkeiten zur Berufsorientierung unserer Schüler muss ausgeweitet werden. Dies gilt vor allem für den praktischen Bereich. Burgenländische Unternehmen werden zukünftig enger mit der Schulen und Bildungseinrichtungen zusammenarbeiten. Die Schüler und Schülerinnen sollen beispielsweise vor Ihrer Berufswahl in den Unternehmen Gespräche führen können, um sich ihrer Berufswahl sicherer zu werden. 

 

Die Industriellenvereinigung hält auch engen Kontakt zu den Pädagoginnen und Pädagogen. Wir holen Lehrer vor den Vorhang, die nicht nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern überdurchschnittliches Engagement bei Projekten mit ihren Schülern zeigen. Im vorigen Jahr durfte eine burgenländische Pädagogin den Teacher`s Award mit nach Hause nehmen. Beim heurigen Bewerb hoffen wir wieder auf einen heimischen Preis.

 

2) Innovation, Forschung und Entwicklung

  

Die Zeit der verlängerten Werkbänke ist im Burgenland schon lange vorbei. Unsere Unternehmen können heute nur punkten, wenn sie besser sind als ihre Mitbewerber auf der ganzen Welt. Dieses Innovativer- und Bessersein kostet viel Geld und Zeit.

 

Die Innovationsoffensive Burgenland, bei der wir an vorderster Front mitarbeiten dürfen, unterstützt die Unternehmen in ihrer Kreativität, indem sie innovative Ideen und Projekte finanziell fördert. Natürlich sind die förderbaren Summen überschaubar und diskussionswürdig. Aber besonders Unternehmen, welche noch nicht so routiniert in Sachen Innovation und Entwicklung sind, wird der Weg auf dieses wichtige Experimentierfeld wesentlich erleichtert.

Die gute Kooperation mit den Förderstellen WIBAG, BIC, AWS oder FFG trägt natürlich wesentlich zum Erfolg der Initiative bei. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken.

 

Die Bereiche Aus- und Weiterbildung, Innovation, Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz und alternative Energien hat auch die europäische Union als Kernthemen für die nächste Förderperiode definiert. Deshalb werden wir gerne mitarbeiten, wenn es darum geht, die erhofften Förderungen aus Europa verstärkt in diese wichtigen Bereiche zu leiten. Wir können damit unseren Wirtschaftsstandort Burgenland absichern und am Weltmarkt erfolgreich bestehen.

 

Doch jeder Forschergeist muss kapitulieren, wenn die nötigen Rahmenbedingungen fehlen, die den Unternehmen erst ermöglichen „zu unternehmen"!

Die Lebensader der Wirtschaft ist die Infrastruktur. Damit meinen wir den raschen Ausbau der S7, die ausreichende Versorgung mit Energie und Breitband usw.

Aber auch die Gesprächsbereitschaft und das wirtschaftliche Verständnis unserer Politiker. Wir erwarten, dass das gemeinsame Ziel, den Wirtschaftsstandort Burgenland zu stärken, viel mehr in den Vordergrund rückt.  Wenn die Politiker uns helfen, den Industrie- und Wirtschaftsstandort Burgenland zu stärken, brauchen sie ihre wertvolle Zeit nicht damit zu vergeuden, neue Steuern zu erfinden.  Eine funktionierende Industrie und solide Klein- und Mittelbetriebe erwirtschaften so viel Wertschöpfung, dass es ausreichend ist, ausgabenseitig den Schuldendberg abzubauen.

 

Ich setze daher auch im Neuen Jahr auf,

 

  • eine professionelle und konsequente Standortpolitik, um unseren Mitarbeitern einen sicheren, herausfordernden Arbeitsplatz zu bieten! 
  • Kontinuität, gepaart mit Mut und Risikobereitschaft, bei der Führung unserer Burgenländischen Industrieunternehmen. Die vergangenen Jahre haben uns gezeigt, dass wir auf diesem Wege auch schwierigste Situationen meistern können. 
  • die Nutzung der Synergien und des Netzwerkes innerhalb unserer eigenen Organisation sowie auch die Stärkung der Zusammenarbeit mit Politik und Sozialpartnern.

Wir sollten das Jahr 2012 kritisch, aber keinesfalls ängstlich angehen und unsere Ziele konsequent verfolgen. Jeder von uns wird seinen Beitrag für die „Burgenländische Industrie" dazu leisten.

 

Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft, Energie und vor allem Gesundheit, um diese Herausforderung zu erfüllen.

 

zu den Fotos: www.maedl.at/iv_2012


Fotos
Präsident Gerger bei seiner Festrede anlässlich des Neujahrsempfangs der IV-Burgenland.
Präsident Gerger bei seiner Festrede anlässlich des Neujahrsempfangs der IV-Burgenland.