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24.10.2011

IV: Metaller-Abschluss schwerer Rucksack für Unternehmen, Streiks sind Kulturbruch

Konjunkturbarometer zeigt Abschwächung der Dynamik

„Fast ein Drittel der befragten burgenländischen Industriebetriebe - nämlich  27 Prozent -sehen die Geschäftslage in einem halben Jahr als schlechter gegenüber dem Vorquartal. Und 16 Prozent rechnen mit einem Rückgang des Beschäftigten-standes in drei Monaten, fasst Ingrid Puschautz-Meidl, Geschäftsführerin der IV Burgenland die Prognosen der aktuellen Konjunkturumfrage des dritten Quartals zusammen.

 

Vor diesem Hintergrund, der eine Rezession zwar unwahrscheinlich erscheinen lässt, jedoch ein Pausieren des Aufschwungs zeigt, endete die KV-Lohnrunden für die Metaller mit einer durchschnittlichen Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,2 Prozent.

 

„Die Abschlüsse sind für die überwiegend im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen zu hoch! Damit wird der Rationalisierungsdruck für die Unternehmen weiter zunehmen - verstärkt durch die sich abschwächende Konjunktur", sieht Manfred Gerger, Vizepräsident der IV Burgenland, harte Zeiten auf die heimische Industrie zukommen. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter an den Erfolgen unserer Unternehmen beteiligt sind und hätten dafür Einmalzahlungen vorgeschlagen." Jetzt hingegen, so Gerger, wurde ein Rucksack geschnürt, den die Industrie über Jahre hinweg mitschleppen muss. „Die Unternehmen müssen die Kosten der Lohnerhöhung wieder hereinbringen. Entweder durch höhere Umsätze und Gewinne,  durch Kostenersparnisse oder Abwälzung auf die Produktpreise."

 

Auch das Hohelied der Gewerkschaftsfunktionäre über die Kaufkraftstärkung durch hohe Lohnabschlüsse gehört in das Reich der Märchen: „Wenn ich die Löhne um 100 Euro erhöhe, bleiben für den österreichischen Konsum 36 Euro über. 64 Euro verliere ich an Steuern, an die Sparquote und an den Import. Ich habe also als österreichisches Unternehmen nichts davon", so Manfred Gerger.

 

Noch weniger Verständnis zeigt die Industrie für standortschädigende Streiks: „Ein Streik, noch dazu ein von langer Hand vorbereiteter und aus unserer Sicht aus rein ideologischen und parteipolitischen Gründen, kann nie am Beginn eines Verhandlungsprozesses stehen. Dies sieht auch die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher so", so Gerger.

 

Laut einer aktuellen IMAS-Umfrage im Auftrag der IV erachteten 60 Prozent der Menschen die Streiks der Gewerkschaft als zu früh und wären für längere Verhandlungen gewesen. 57 Prozent der Bevölkerung wollen gar keine Streiks, nur 35 Prozent bringen Verständnis für dieses Instrument auf.

Gerger weist darauf hin, dass: „Streiks kein bewährter Weg der österreichischen Sozialpartner waren und sind. Dies sollten auch jene Teile der Gewerkschaften zur Kenntnis nehmen, die sich nunmehr offen als ‚Kampforganisation‘ bezeichnen". Österreich sei als streikarmes Land bei Investoren bekannt gewesen. Dieses Image könnten diese unmotivierten und völlig unnötigen Aktivitäten der Gewerkschafter nachhaltig zerstört haben, so der IV - Vizepräsident.

 

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage (IV Burgenland und Sparte Industrie der Wirtschaftskammer)

3. Quartal 2011 im Detail:

 

Die burgenländische Industrie hat 2011 fast wieder jenes Niveau erreicht, welches Sie vor der Krise gehabt hat. Bei den Ergebnissen der nunmehrigen Umfrage zeigt sich aber eine Abflachung und teilweise ein Rückgang der Dynamik. Insgesamt zeigen die Indikatoren ein stabiles, wenn auch deutlich vorsichtigeres Bild bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Situation. Es gibt viele Bereiche, die von den Unternehmern nicht beeinflusst werden können, aber wesentliche Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung haben; von der europäischen Staatsschuldenkrise, den Rohstoffpreisen, bis zu den ausstehenden Reformen in Österreich und anderen EU-Ländern.

 

Überraschenderweise wird die Geschäftslage und der Auftragsbestand von einer Mehrzahl der an der Umfrage beteiligten Industriebetriebe gegenüber dem Vorquartal als steigend eingeschätzt. Dies hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass einige größere burgenländische Unternehmen der Industrie Zulieferbetriebe etwa zur deutschen Fahrzeugindustrie sind und konjunkturelle Entwicklungen abhängig von den Auftraggebern mit einigen Monaten Zeitverzögerung im Burgenland eintreten.

Eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation in der heimischen Industrie zeigt sich bei den Auslandsaufträgen und der Produktionstätigkeit in drei Monaten. Bei beiden Indikatoren wird das wirtschaftliche Umfeld von rund 60 Prozent als gleichbleibend beurteilt.

 

Die Geschäftslage hat sich gegenüber dem Vorquartal weiter verbessert. 69 Prozent (48) der befragten Unternehmungen bezeichnen sie als steigend, 26 Prozent (52) als gleichbleibend und 5 Prozent (0) als schlechter wie im Vorquartal.

 

Auch der aktuelle Auftragsbestand wird positiv eingeschätzt.  57 Prozent (41)  der Betriebe gehen von einem steigenden Auftragsbestand aus. Bei 37 Prozent (59) ist die Erwartungshaltung gleichbleibend und bei 6 Prozent (0) fallend.

 

Nicht ganz so positiv wie im Vorquartal aber dennoch relativ stabil ist die Beurteilung der derzeitigen Auslandsaufträge.  34 Prozent (45) der Unternehmen melden steigende, 57 Prozent (40) gleichbleibende und 7 Prozent (15) fallende Auslandsaufträge.

Auch die Produktionstätigkeit in drei Monaten entspricht im Großen und Ganzen der Einschätzung der letzten drei Quartale, d.h. die Werte pendeln sich auf gutem Niveau ein. 20 Prozent (17) erwarten eine steigende, 65 Prozent (79 eine gleichbleibende Produktionstätigkeit. Etwas mehr Betriebe als im Vorquartal erwarten eine fallende Produktionstätigkeit in drei Monaten und zwar 15 Prozent (4).

 

Deutlich getrübt zeigt sich sie Erwartung der Geschäftslage in sechs Monaten.  0 Prozent (7) beurteilen die Geschäftslage als steigend, 73 Prozent (82) als gleichbleibend und fast ein Drittel nämlich  27 Prozent (11) als schlechter gegenüber dem Vorquartal.

 

Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in drei Monaten ist nicht mehr so optimistisch wie im Vorquartal. Sie wird von 84 Prozent (100) als gleichbleibend beurteilt und von 16 Prozent als schlechter.

 

Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des 2. Quartals 2011.


Fotos
Manfred Gerger, Vize-Präsident IV Burgenland und Vorsitzender der Geschäftsführung der Hella Fahrzeugteile Austria GmbH
Manfred Gerger, Vize-Präsident IV Burgenland und Vorsitzender der Geschäftsführung der Hella Fahrzeugteile Austria GmbH


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