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12.08.2011

„Grenzen sind offen, qualifizierte Mitarbeiter bleiben aber aus!“

Die IV Burgenland führte im Juli eine Umfrage unter ihren Mitgliedern durch, um zu erfahren, ob und wie sich der Arbeitsmarkt hinsichtlich ungarischer Bewerber seit dem 1. Mai 2011, dem Wegfall der Beschäftigungsbewilligungen und der Beginn der Dienstleistungsfreiheit, verändert hat.

Die Erwartungen der Unternehmer, dass die Öffnung der Grenze nach Ungarn genügend qualifizierte Mitarbeiter in die burgenländischen Betriebe bringt, waren  nicht sehr groß. Kam doch diese Öffnung mindestens sieben Jahre zu spät und mobile und gut ausgebildete ungarische Mitarbeiter sind längst in Großbritannien oder sonst wo in guten Jobs. Die aktuelle Umfrage bestätigte leider diese Befürchtungen.

 

„Drei Monate nach Wegfall der Übergangsfristen ist noch immer kein Ansturm an Bewerben an den Toren unserer Industriebetriebe zu bemerken", analysiert IV-Burgenland Vizepräsident Manfred Gerger die Umfrage. „Nur vier von insgesamt 25 Rückmeldungen melden einen Anstieg der Bewerbungen. Bei den anderen Unternehmen ist der Andrang gleich geblieben." Die meisten Bewerber wollen Jobs in der Produktion oder Anlernjobs.

 

Ungarische Bewerber, die Jobs direkt bei den Betrieben suchen, bringen zum Großteil keine bis mittelmäßige Deutschkenntnisse mit. „Und das verhindert zu 80 Prozent eine Anstellung", erklärt Gerger. „Für fast alle benötigten Qualifikationen fordern die Unternehmen gute Kenntnisse der deutschen oder englischen Sprache, da ansonsten die Kommunikation in diesen Bereichen nicht funktioniert und das die Fehlerquote nach oben treibt."

 

Die Ergebnisse der IV-Umfrage unter den burgenländischen Industriebetrieben decken sich weitgehend mit den Daten und Beobachtungen des AMS Burgenland. Hier wurden zwar seit dem 1. Mai mehr Anfragen von Arbeitskräften aus den neuen Mitgliedsstaaten, vor allem aus Ungarn, registriert als zuvor. Allerdings haben diese Interessenten zu 60 Prozent keine oder schwache Deutschkenntnisse. Und auch das AMS und die EURES - Berater sie bezeichnen diesen Umstand als größtes Vermittlungshindernis. Von den rund 99.000 unselbständig Beschäftigten Ende Juli 2011 waren 10.131 Beschäftigte ungarischer Herkunft. Das sind 15,2 Prozent oder 1.401 Personen mehr  als Ende Juli 2010. Beschäftigt sind die Arbeitskräfte aus den neuen Mitgliedsstaaten vor allem in den Branchen mit bereits traditionell hohem Ausländeranteil ((Daten des AMS: Land- und Forstwirtschaft +44,6 Prozent, Bau +23,9 Prozent, Handel +21,1 Prozent, Produktion+15,9 Prozent und Beherbergung und Gastronomie + 11,3 Prozent)   

 

Welche Mitarbeiter und Qualifikationen werden im Burgenland gesucht?

 

Die burgenländischen Industriebetriebe suchen vor allem HTL-Abgänger, technisches Personal, Entwickler, Elektrotechniker und Schweißer. Mitarbeiter mit besonderen Qualifikationen wie ein Tapezierer in der Möbelbranche, ein Facharbeiter in einer Weberei oder ein Industrieschneider werden oft jahrelang international gesucht - und kaum gefunden!

 

 

„Industriekonjunktur: Erholungsphase hat Höhepunkt erreicht"

 

„Zwei Jahre nach der Rezession bzw. dem konjunkturellen Einbruch normalisiert und stabilisiert sich die Lage in den burgenländischen Industriebetrieben. Allerdings dürfte der Höhepunkt der Erholungsphase erreicht sein", fasst IV-Burgenland Geschäftsführerin Ingrid Puschautz-Meidl die jüngste Konjunkturumfrage der burgenländischen Industrie zusammen. Trotz des Abklingens der Dynamik blicken die Betriebe zuversichtlich in die Zukunft. In fast allen abgefragten Bereichen geht man von einer gleichbleibenden wirtschaftlichen Situation aus."Sehr erfreulich ist auch, dass alle befragten Unternehmen den Beschäftigtenstand gleich halten wollen", so Puschautz-Meidl. Etwas vorsichtiger und skeptischer ist die Einschätzung der Geschäftslage bei der Konjunkturumfrage des 2. Quartals 2011in sechs Monaten.

 

Wenngleich die Erwartungen der Unternehmen insgesamt positiv ausfallen, gibt es verschiedene Risikofaktoren, die von den Betrieben nicht beeinflusst werden können, sehr wohl aber wirtschaftliche Auswirkungen auf die Industrie haben. „Sorge bereiten den Firmen unter anderem die weitere Entwicklung in Griechenland, die unsichere Lage in vielen arabischen Ländern und die fehlende Wachstumsdynamik in den USA", zählt Puschautz-Meidl die Unsicherheitsfaktoren auf. Insbesondere der Preisschub bei den Rohstoffen - der sich im Winter weiter verschärfen könnte - lässt den Unternehmen nur wenig Spielraum. Höhere Kosten können hier nur nach und nach an die Kunden weitergegeben werden.

 

Bildung ist DAS zentrale Zukunftsthema für die Gesellschaft wie für den Industrie- und Arbeitsstandort und DER Schlüsselfaktor für den Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes", mahnt IV- Vizepräsident Manfred Gerger die seit Jahren diskutierten Reformmaßnahmen in diesem Bereich ein. „Hier liegt - neben dem Reformbedarf in der Verwaltung und im Gesundheits- und Pensionssystem - der Schlüssel zu einem beständigen Industriestandort Österreich." Die bundespolitischen Aktionen in diesen Bereichen sind aus Sicht der burgenländischen Industrie viel zu zögerlich.

 

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2. Quartal 2011 im Detail:

 

Die stabile Einschätzung der konjunkturellen Situation zeigt sich vor allem bei der Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage und des Auftragsbestandes. In beiden Bereichen hat kein einziger an der Konjunkturumfrage beteiligter Betrieb eine negative Einschätzung abgegeben.

 

Die Geschäftslage in der burgenländischen. Industrie hat sich gegenüber dem Vorquartal leicht verbessert. 48 % (49 %) der befragten Unternehmungen bezeichnen sie als steigend, 52 % (46 %) als gleichbleibend und 0 % (5 %) als schlechter als im Vorquartal.

 

Der aktuelle Auftragsbestand wird nicht ganz so positiv eingeschätzt wie im ersten Quartal 2011, allerdings gehen fast 60 % der Betriebe davon aus, dass er stabil bleibt. Von 41 % (57 %) wird er als steigend von 59 % (39 %) als gleichbleibend und von 0 % (4 %) als schlechter bewertet.

 

Etwas weniger optimistisch als im Vorquartal aber doch stabil ist die Beurteilung der derzeitigen Auslandsaufträge.  45 % (49 %) der Unternehmen melden steigende, 40 % (26 %) gleichbleibende und 15 % (24 %) fallende Auslandsaufträge.

 

Besser als im ersten Quartal wird die Produktionstätigkeit in drei Monaten beurteilt.
17 % (8 %) erwarten eine steigende, 79 % (81 %) eine gleichbleibende und nur 4 % (11 %)  eine schlechtere Produktionstätigkeit.

 

Die künftige Halbjahreserwartung wird etwas weniger optimistisch eingeschätzt wie im Vorquartal. Die Geschäftslage in sechs Monaten wird  von 7 % (15 %) als steigend beurteilt, von 82 % (79 %) als gleichbleibend und von 11 % (6 %) als schlechter eingeschätzt.

 

Die Einschätzung des Beschäftigtenstandes in 3 Monaten ist erfreulich weil sehr stabil. Sie wird von allen befragten Unternehmen (100 %) als gleichbleibend beurteilt.

 

Die Klammerwerte sind jeweils die Vergleichswerte des ersten Quartals 2011.


Fotos
IV-Burgenland-Vizepräsident Manfred Gerger und IV-Burgenland-GF Ingrid Puschautz-Meidl
IV-Burgenland-Vizepräsident Manfred Gerger und IV-Burgenland-GF Ingrid Puschautz-Meidl


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