|
[ 19.04.2010 ]
Entweder man hat´s, oder man hat´s nicht!Ganz so einfach ist es natürlich nicht, aber die Grundsteine unserer Talente sind, so Prof. Markus Hengstschläger, zweifellos in unseren Genen verankert.Zum Thema „Berufswahl und Rollenbilder" luden die IV Burgenland, die Volkswirtschaftliche Gesellschaft und das Volksbildungswerk nach Eisenstadt ein.
Der Humangenetiker Markus Hengstschläger erläuterte in einem höchst informativen und amüsanten Vortrag, wie weit Gene die Berufswahl unserer Jugendlichen beeinflussen können - oder auch nicht! „Das Talent ist eine besondere Leistungsvoraussetzung. Ein Talent hat man, oder nicht", so Hengstschläger. „Allerdings kann man durch Fleiß ein Talent entfalten, selbst dort, wo rein genetisch nicht viel da ist!"
Natürlich gibt es geschlechtsabhängige Vorteile, wie zum Beispiel Knochenaufbau oder Kraft bei den Männern. „Würde ein Affenmännchen seine Nachkommen aufziehen, so stimmte etwas nicht mit ihm", bemüht Hengstschläger das Tierreich.
Aber auch dort gibt es anders gelagerte Beispiele. So liegt der Löwe faul in der Sonne und wartet auf den Moment, wo er seine Familie verteidigen muss und die Löwin geht auf die Jagd und schleppt Futter für ihn und die Jungen an. „Der Streubereich, wo vermeintlich geschlechtsspezifische Talente beim anderen Geschlecht reichlich vorhanden sind, ist so groß, dass wir die Individualität gelten lassen müssen!" Die Berufswahl von Jugendlichen sieht Hengstschläger eher von deren Bekanntenkreis als von den Eltern beeinflusst.
Doris Bock, Geschäftsführerin von Neudoerfler, stellt fest, dass in den meisten Berufen im Unternehmen das Verhältnis Mann/Frau ausgeglichen ist. Lediglich die Führungsetage ist fast ausschließlich in Männerhand. „Ich würde Frauen für Führungspositionen suchen. Leider trauen diese sich zuwenig zu", so Bock. Die Managerin selbst ist überzeugt davon, dass auch Frau alles machen kann, wenn ihr die Arbeit Spaß macht. „Ein wichtiges Talent ist die soziale Kompetenz, das Umgehenkönnen mit Menschen. Und da haben wir Frauen sicher sehr gute Voraussetzungen."
Im Bundesministerium für Finanzen sind von sechs Sektionschefs sechs Männer. Die zweite Ebene aber ist weiblich. Helga Kölndorfer, Vorständin des Finanzamtes Neunkirchen/ Wr. Neustadt ist eine von insgesamt 10 weiblichen Vorständen der 40 österreichischen Finanzämter. „Der Widerstand der Männer hat mich in meinem Beruf gestärkt", sieht Kölndorfer durchaus Positives im Beharrungsvermögen der Männer, wenn es um die Verteidigung von Bastionen geht.
Helene Sengstbratl, Geschäftsführerin des Arbeitsmarkservice Burgenland, findet die richtige Berufswahl so schwierig, „weil sie in die Pubertät fällt, wo man ohnehin genug mit der Geschlechteridentität zu tun hat." Sie selbst wird bei ihren beiden Söhnen eher den Weg der Risikominimierung gehen. „Ich werde meinen Söhnen einen möglichst langen Ausbildungsweg anraten. Aus beruflicher Erfahrung weiß ich, dass jedes Plus an Ausbildung das Risiko Arbeitslosigkeit verringert."
Ingrid Puschautz-Meidl zog nach einer interessanten und lebhaften Diskussion mit dem Publikum das Resümee, dass die Gesellschaft Rahmenbedingungen dafür schaffen muss, dass jeder Einzelne die Möglichkeit haben soll, den Beruf zu wählen, für den er sich berufen fühlt. „Eltern, Verwandte und Bekannte dürfen ihre Kinder nicht nach Rollenklischees und Frauen- und Männerberufe beraten, sondern nach Berufen". Wir sind nicht alleine durch unsere Gene und Traditionen bestimmt, sondern können aus unseren Talenten etwas machen. „Mädchen sind in technischen Berufen und Burschen im Pflegeberuf herzlich willkommen. Wenn sie das wollen, dann sollen sie da machen dürfen!" [ Ingrid Puschautz ]
|
|