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[ 13.01.2010 ]
Neujahrsempfang der IV BurgenlandRede von Präsident DI Dr. Werner J. Frantsits.Sehr geehrte Mitglieder der Industriellenvereinigung, werte Ehrengäste, geschätzte Damen und Herren!
Das abgelaufene Jahr 2009 war - wirtschaftlich gesehen - das Schwerste in der Nachkriegszeit. Einzelne Betriebe und Branchen hatten und haben mit einem Unsatzrückgang von bis zu 50 Prozent zu kämpfen.
Obwohl das Burgenland bisher mit einem blauen Auge davon gekommen ist, zeigt die Konjunkturumfrage des 3.Quartals 2009 noch keinen nachhaltigen Aufschwung, sondern eher eine Stabilisierung auf niedrigstem Niveau. Besonders bei den Auslandsaufträgen sehen Burgenlands Industrieunternehmen eher schwarz.
Für das kommende Jahr erwarten wir einen BIP-Zuwachs von 1,5 Prozent, was auch keine Jubelstürme auslösen kann. Weht doch - aufgrund der ungünstigen Wechselkursentwicklung und des Auslaufens zahlreicher Einmaleffekte aus den Konjunkturpaketen - auch weiterhin ein erheblicher Gegenwind. Und 1,5 Prozent Wachstum reichen nicht aus, um den Arbeitsmarkt entsprechend zu beleben.
2010 wird daher ein Jahr großer Herausforderungen und Chancen, 2011 sollten wir wieder ein gewisses Wachstum haben und erst 2012 erwarte ich ein wirkliches Anspringen der Konjunktur.
Da bei einem beginnenden Aufschwung die personellen Kapazitäten höher sind, als die zusätzlichen Auftragseingänge, müssen wir davon ausgehen, dass wir erst in diesem Jahr die Auswirkungen der Krise am Arbeitsmarkt voll spüren werden.
Hier gilt es besonders, die Jungendarbeitslosigkeit hintan zu halten. Im Dezember standen auf dem Lehrstellenmarkt im Burgenland für 130 Lehrstellensuchende insgesamt 44 offene Stellen zur Verfügung. Obwohl das AMS Burgenland ein verstärktes Interesse der Unternehmen für die Aufnahme von Lehrlingen registriert, möchte ich hier einen besonderen Appell an Sie, sehr geehrte Unternehmer, richten. Bieten Sie zusätzliche Lehrstellen an! Sie bilden damit Ihre zukünftigen, dringend benötigten Fachkräfte aus. Und diese wiederum sind das Fundament unserer hochtechnisierten, exportorientierten Industrie.
Um die nötigen Fachkräfte für die Zukunft heranzubilden, gilt es besonders, unser Bildungssystem auf tragfähige, neue Beine zu stellen. Stehen doch unsere Schulen und Universitäten genauso wie die gesamte Wirtschaft und das gesamte Industrieland Österreich im internationalen Wettbewerb. Voraussetzung dieser Reform ist es, die vorhandenen Mittel bestmöglich für die Ausbildung junger Menschen - und nicht in der (Mehrfach-) Verwaltung des Apparates - einzusetzen. So kommt heute nur jeder zweite schulische Bildungseuro im Unterricht an.
Was die Universitäten betrifft, tritt die Industrie nach wie vor für Studieneingangsphasen und für Studienbeiträge ein. Wobei aber kein fähiger junger Mensch aus finanziellen Gründen vom Studium abgehalten werden darf. (kreditfinanziertes Stipendien -Modell)
Die IV Burgenland arbeitet eng mit dem Landesschulrat und der Pädagogischen Hochschule in Sachen Berufsorientierung zusammen. Der Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit der jungen Menschen in der Frage ihrer Ausbildung kann hier sehr effektiv entgegen gewirkt werden. Und die Jugendlichen würden nicht, wie leider immer noch üblich, zu 80 Prozent in insgesamt 10 Lehrberufe strömen. Information ist zwar eine Hohlschuld. Dennoch ist es dringend nötig, die vielfältigen Berufsmöglichkeiten an die jungen Menschen bestmöglich und interessant aufbereitet heranzubringen.
Zu diesem Bereich gehört auch das Instrument der Bildungskarenz, welches besonders im Burgenland gut angenommen wurde. Mittels Bildungskarenz können Mitarbeiter trotz schlechter Auftragslage im Betrieb gehalten werden und erfahren gleichzeitig eine Höherqualifizierung. Unserem Antrag auf Fortsetzung der Landesförderung bei der Bildungskarenz wurde zwar noch nicht offiziell stattgegeben. Die Politik steht dem aber sehr positiv gegenüber.
Wachstum wird auch durch Investitionen in Forschung und Entwicklung generiert. Laut einer IWI-Studie, im Auftrag der IV Burgenland, wollen 43 Prozent der befragten burgenländischen Leitbetriebe in diesem Jahr ihre Ausgaben für F& E steigern (österreichweit 14 %). Das wird auch dringend nötig sein, da die F&E -Ausgaben des Burgenlandes bei knappen 0,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes liegen (2,6 % Österreich). Dabei liegt es nicht am mangelnden Geld. Das wäre im Burgenland vorhanden. Rund 62 Millionen Euro für F&E stehen den heimischen Unternehmern aus dem Phasing - Out Programm 2007-2013 zur Verfügung. Lediglich an die 4 Millionen wurden bis jetzt abgeholt. Es braucht also anscheinend viel Motivation, Mut und unbürokratische und kompetente Hilfestellung, um sich in das Abenteuer F&E zu wagen. Es braucht endlich ein Forschungsfinanzierungsgesetzt, welches die Planungssicherheit in der Forschung bis 2020 ermöglicht. Die Erhöhung der Forschungsprämie auf 12 Prozent wäre ein attraktiver steuerlicher Anreiz. Durch verstärkte F&E Aktivitäten würden Unternehmen intern mehr Mitarbeiter in Forschungsabteilungen transferieren, was sich positiv auf die Beschäftigung auswirkt. Verstärkte F&E Aktivitäten würden wieder zu Investitionen führen, welche bei den Unternehmen aus Unsicherheit zurzeit aufgeschoben werden.
Als Beispiel für eine große Chance in diesem Jahr sehe ich die Möglichkeit, endlich mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit zu bekommen. Um möglichst viele Arbeitsplätze erhalten zu können, brauchen wir mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit. Unsere Kunden verlangen von uns flexibles und rasches Agieren. Dieses ist aber nur möglich, wenn gearbeitet werden darf, wenn Arbeit da ist und Freizeit konsumiert wird, wenn es im Unternehmen ruhiger hergeht. Die Ausdehnung des Durchrechnungszeitraumes auf mindestens zwei Jahre ist daher das Mindeste, was bei den künftigen dazu anstehenden Verhandlungen der Sozialpartner beschlossen werden muss.
Es ist wichtig und richtig, optimistisch in dieses neue Jahr zu gehen. Der Weg zum Wohlstand von 2008 wird mühsam, ist aber machbar.
Wir von der Industriellenvereinigung werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die Entscheidungsträger in diesem Land die richtigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft schaffen. Denn nur so sichern wir den Wohlstand für alle.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, in diesem Sinne darf ich Ihnen allen im Namen der IV Burgenland ein gutes, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr wünschen und freue mich, wenn Sie noch einen angenehmen und interessanten Abend mit uns verbringen.
[ Ingrid Puschautz ]
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